Stuttgart 29. Januar 1915.
Werastrasse 54.
Lieber Herr Roessler!
Sind sie nicht böse, dass ich Ihnen
heute erst danke und doch haben
Sie mir mit dem letzten Briefe
und der Abschrift Ihres jungen
Bonner Freundes eine seltene
Freude gemacht. Nicht allein
des Lobes wegen, das ist eine Sache,
die man beim Älter werden ra=
scher überwindet. Da weiss man
schliesslich, dass man, unbekümmert
um Alles, nicht anders handeln
kann, als seiner Überzeugung
entsprechend. Aber das ewige
Anfechten der Überzeugung ist
hie und da zweifellos deprimir=
end. Und noch dazu dann, wenn
es sich um das wichtigste künst=
lerische Princip, bei einem Maler
Werastrasse 54.
Lieber Herr Roessler!
Sind sie nicht böse, dass ich Ihnen
heute erst danke und doch haben
Sie mir mit dem letzten Briefe
und der Abschrift Ihres jungen
Bonner Freundes eine seltene
Freude gemacht. Nicht allein
des Lobes wegen, das ist eine Sache,
die man beim Älter werden ra=
scher überwindet. Da weiss man
schliesslich, dass man, unbekümmert
um Alles, nicht anders handeln
kann, als seiner Überzeugung
entsprechend. Aber das ewige
Anfechten der Überzeugung ist
hie und da zweifellos deprimir=
end. Und noch dazu dann, wenn
es sich um das wichtigste künst=
lerische Princip, bei einem Maler