Hofmannsthal, Hugo von: Feldpostkarte an Max Mell. Rodaun bei Wien, 11.7.1917
Rodaun 11. VII.
lieber Freund
dass die zweite Karte so bald nach
der ersten kam, war mir eine so
liebe Freude. Wirklich, wie ich es
mir gewünscht hatte, spiegeln Ihre
Worte so hell u. rein das, was nur Sie
ist. Fangen Sie doch für mich in diesem
Spiegel etwas von der Natur dort
auf, dass ich durch Ihre Augen die
Felder oder Wälder sehe. Ich war Sie
ja in ganz anderem Gelände vermutend,
erst durch Smekal erfuhr ich das richtige.
Von übermorgen an werden unsere
Gedanken vom kleinen Obertressen-häuserl
zu Ihnen gehen. – Denken Sie, mein Nachbar
Benno Geiger hier zeigt mir u. liest
mir so wunderschöne Gedichte, dass er mir
lieb u. wichtig wird. Ihr Freund Hofmannsthal