Holzhausen, Adolf: Brief an Richard von Kralik. Wien, 25.11.1919
ADOLF HOLZHAUSEN
UNIVERSITÄTS=BUCHDRUCKER
WIEN
H/W 58
Wien, 25. November 1919.
Hochgeehrter Herr Doktor!
Die Beantwortung Ihrer freundl. Zuschrift vom 21. November
wird mir außerordentlich schwer, denn ich bin nicht imstande, eine andere
Auskunft zu geben, als die, daß es mir vollkommen unmöglich scheint,
auch nur den Satz Ihrer Geschichte unter den gegebenen Verhältnissen
in Angriff zu nehmen. Es besteht nicht die mindeste Hoffnung, in irgendwie
absehbarer Zeit Papier erzeugt zu bekommen. Schuld daran trägt das
wahnwitzige Vorgehen jener Menschen, die die Regierung unserer armen
Heimat an sich gerissen haben. Sie treibt mit den wenigen Vorräten, die
wir noch haben, ausgesprochenen Raubbau, wobei sie in jenen Kreisen
Unterstützung findet, denen schnelle und mühelose Bereicherung das
Hauptziel ist. Der ganze Rest der Papiererzeugung wird von der Regierung
für Exportzwecke herangezogen, um auf diese Weise Gegenwerte für die
Nahrungsmitteleinfuhr zu bekommen. Statt daß das Papier, das erzeugt
werden kann, in Österreich bedruckt und dann als hochwertige Ware ins
Ausland geht, wird jetzt das Papier als Rohprodukt ausgeführt; das bringt
den Erzeugern und namentlich den Zwischenhändlern unerhörte Gewinne,
lähmt aber die Druckindustrie vollkommen. Ich hatte gewiß den festen
Willen, wie ich es seinerzeit in meinem Briefe an Sie zum Ausdrucke
gebracht habe, wenigstens in dem bescheidenen Wirkungskreise meines
Unternehmens mit aller Anspannung der Kräfte zu arbeiten, Werte zu schaffen: