Holz, Arno: Brief an Arthur Roessler. o.O., 31.5.1922
31. V. 22
Lieber Herr Roeßler!
Ich danke Ihnen herzlich für die liebenswürdige
Uebersendung der beiden Publikationen von und über Ihren
Freund Egon Schiele. Ich kannte bis dahin noch nicht ein=
mal seinen Namen und habe nun den Menschen Egon
Schiele, den Künstlermenschen, „von innen tief lieb”. Daß
mich trotzdem manches von ihm, wie z. B. die Repro=
duktion seines Aquarells „Mein Wandelweg führt
über Abgründe”, fremd, fremder und am fremdesten
berührt, abstrus, abstruser und am abstrusesten, werden
Sie mir, von mir aus, vielleicht nachfühlen können.
In den nächsten Tagen schon, wie ich hoffe, geht Ihnen
zu: ein kleines Bändchen „Neuer Dafnis=Lieder”,
die ich als solche natürlich nur „einzeln” publizierte
aus scheußlichen Geldverdiengründen. Ekelhaft!
Stehn Sie mit dem mir merkwürdigen Ehren=
manne Herr Julius Brüll noch in irgendeiner
Verbindung? Die gloriose Unverschämtheit, die er sich
mir gegenüber erlaubt hat, ist die unbedingt stärkste
gewesen, die mir je von Verlegerseite zugestoßen!
Sie herzlich grüßend,
Ihr
Arno Holz.