Huberman, Bronisław: Brief an Leo Pallasch. Brunshaupten, 6.9.1915
auf einem Mißverständnis zu beruhen, wie Du aus der
kuriosen Antwort des Arztes ersehen kannst. Inzwischen waren
aber meine Wiener Bemühungen abgebrochen worden, als mich diese
ablehnende Antwort in Berlin vor 3 Tagen erreichte. Ich
war wüthend und ratlos und ging zum Großen Generalstab,
wo man mir sehr wohlwollend gesinnt ist. Nach Prüfung
der Angelegenheit erklärte man mir, nichts thun zu können, da
Zamość zwar eine deutsche Besatzung habe, diese jedoch einen
Bestandteil der k.k. oesterr. ungarischen Bug=Armee bildet.
Man verwies mich daher auf das k.k. Evidenz-Bureau in
Wien, welches die einzige berufene Stelle sei, mir zu helfen.
Da ich jetzt nicht persönlich dort bin, muß ich dich bitten, dich
der Sache anzunehmen. Es handelt sich um Dreierlei:
I. Eine Geldsendung von 100 Kronen (ich würde mehr senden,
aber ich will vorläufig abwarten, ob der Dr. Kullack nicht
wenigstens die 250 Kronen dem Stas´ übergiebt, die für
ihn unterwegs sind), damit er was zu essen hat. Ferner
2. die Übersendung meines Briefes an ihn, damit er sieht,
was er zu thun hat, um das Studienjahr (er will
ans Polytechnicum) nicht zu verlieren, drittens um
3. die Erlaubnis, nach Wien zu kommen. Mit dieser Erlaubnis
kann man aber auch schließlich noch warten, bis das Gesuch, welches
er an das k.k. Unterrichtsministerium zu richten hat, bewilligt
ist. Ich lege eine Geldordre bei für den Fall, als es Dir
gelingen sollte, meine Bitte zu erreichen.
Ich habe furchtbar bedauert, daß Du nicht in Wien