Kirchschlag N.Ö. (üb. Edlitz)
3. Okt. 1917
Hochverehrter Herr Dr.!
Wertester Freund!
Verzeihen Sie gütigst die etwas merkwürdige Aufmachung
meines Briefes, wir hier im ungarischen Winkel der „bugglaten
Welt” leiden sogar an Mangel des Briefpapieres.
Nachdem ich freilich vor langer Zeit auf einen Brief mit
einer Anfrage keine Antwort erhielt, wagte ich nicht mehr
recht zu schreiben. Doch nun möchte ich doch die Gelegenheit er=
greifen zu meinem Gratulationstelegramm am 1. Oktober
auch noch brieflich meine dankbarsten Segenswünsche zu
sagen. Im Jahre 1898 kam ich das erstemal hinaus zu Ihnen
in die schöne Villa. Wenn ich jetzt die lange Zeit über=
sehe, staune ich, wie viel Segen und Ausbreitung Ihres
Wirkens der Herr verliehen hat, und ich danke mit Ihnen
der göttlichen Vorsehung. Von Anfang an war es meine wirk=
lich herzlichste Sehnsucht, daß Ihre Ideen Platz gewinnen in
den Seelen, daß Ihr Wirken sich immer reicher ausge=
stalte, Ihre Pläne, deren systematische Grundlegung ich
mitbeobachten durfte, sich nach und nach alle verwirklichen:
und nun bin ich nicht bloß sehr zufrieden, ich bin erstaunt,
denn ich hätte nie geglaubt, daß ein Höhensucher wie Herr
Dr. noch so viel auch an Popularität gewinnen könnte. Das
Los solcher Höhensucher ist doch meist, recht einsam zu bleiben und
oft erst nach dem Tode entdeckt zu werden. Ich vertraue fest,
3. Okt. 1917
Hochverehrter Herr Dr.!
Wertester Freund!
Verzeihen Sie gütigst die etwas merkwürdige Aufmachung
meines Briefes, wir hier im ungarischen Winkel der „bugglaten
Welt” leiden sogar an Mangel des Briefpapieres.
Nachdem ich freilich vor langer Zeit auf einen Brief mit
einer Anfrage keine Antwort erhielt, wagte ich nicht mehr
recht zu schreiben. Doch nun möchte ich doch die Gelegenheit er=
greifen zu meinem Gratulationstelegramm am 1. Oktober
auch noch brieflich meine dankbarsten Segenswünsche zu
sagen. Im Jahre 1898 kam ich das erstemal hinaus zu Ihnen
in die schöne Villa. Wenn ich jetzt die lange Zeit über=
sehe, staune ich, wie viel Segen und Ausbreitung Ihres
Wirkens der Herr verliehen hat, und ich danke mit Ihnen
der göttlichen Vorsehung. Von Anfang an war es meine wirk=
lich herzlichste Sehnsucht, daß Ihre Ideen Platz gewinnen in
den Seelen, daß Ihr Wirken sich immer reicher ausge=
stalte, Ihre Pläne, deren systematische Grundlegung ich
mitbeobachten durfte, sich nach und nach alle verwirklichen:
und nun bin ich nicht bloß sehr zufrieden, ich bin erstaunt,
denn ich hätte nie geglaubt, daß ein Höhensucher wie Herr
Dr. noch so viel auch an Popularität gewinnen könnte. Das
Los solcher Höhensucher ist doch meist, recht einsam zu bleiben und
oft erst nach dem Tode entdeckt zu werden. Ich vertraue fest,