Hochgeehrter Herr Kraus!
Ihr Vorsatz, das mir großherzig gewidmete
Gedicht zur Vorlesung zu bringen setzt
mich in die größte Verlegenheit. Ich kann
Ihnen kaum zumuten auf den Vortrag
eines Gedichtes, und eines so schönen,
zu verzichten und einige Tausend freudige
Zuhörer um den Genuss zu bringen,
um soweniger, als ich durch Jahrzehnte=
lange Erfahrungen weiß wie wenig Sie
in Ihren Entschließungen zu beeinflußen sind.
Wenn ich es trotzdem wage Sie um Streichung
aus dem Programm zu bitten, so geschieht
dies nur in der mir innewohnenden Er-
kenntnis des krassen Unterschiedes
zwischen dem Kunstwerk und der Nichtig=
keit der Ursache seines Entstehens. Dieses
Mißverhältnis, das mir nicht aus dem
Kopf gehen will, ist die Grundlage für meine
Bitte. Erfüllen Sie sie nicht, so muß ich mich
darein finden und werde nicht im
Geringsten einen Akt der Unfreundlichkeit
darin erblicken. Erfüllen Sie sie, dann ist´s
mir lieber
Ihr hochachtungsvoll ergebener
Georg Jahoda
16/IV 1924
Ihr Vorsatz, das mir großherzig gewidmete
Gedicht zur Vorlesung zu bringen setzt
mich in die größte Verlegenheit. Ich kann
Ihnen kaum zumuten auf den Vortrag
eines Gedichtes, und eines so schönen,
zu verzichten und einige Tausend freudige
Zuhörer um den Genuss zu bringen,
um soweniger, als ich durch Jahrzehnte=
lange Erfahrungen weiß wie wenig Sie
in Ihren Entschließungen zu beeinflußen sind.
Wenn ich es trotzdem wage Sie um Streichung
aus dem Programm zu bitten, so geschieht
dies nur in der mir innewohnenden Er-
kenntnis des krassen Unterschiedes
zwischen dem Kunstwerk und der Nichtig=
keit der Ursache seines Entstehens. Dieses
Mißverhältnis, das mir nicht aus dem
Kopf gehen will, ist die Grundlage für meine
Bitte. Erfüllen Sie sie nicht, so muß ich mich
darein finden und werde nicht im
Geringsten einen Akt der Unfreundlichkeit
darin erblicken. Erfüllen Sie sie, dann ist´s
mir lieber
Ihr hochachtungsvoll ergebener
Georg Jahoda
16/IV 1924