Jacobsohn, Siegfried: Postkarte an Karl Kraus. o.O., 25.1.1924
25. I.
1924
Lieber Herr Kraus,
Herr Wilhelm
Herzog verbreitet hier, daß Sie zu ihm über die
„Weltbühne” gesagt hätten: „Dieses Blatt ist ein Laden.
Ich habe mit diesem Blatte nichts zu schaffen.” Ich,
selbstverständlich, weiß, dass das nicht wahr sein kann,
weil ein Mann von Ihrer Unbedingtheit aus solcher
Beurteilung meines Blatts längst die Konsequenzen ge-
zogen hätte, jede persönliche Bezieh[un]g zu mir abzu-
brechen u mir einen Abdruck aus ‚Wolkenkuckucks-
heim’ zu verbieten statt zu erlauben. Aber
weiß es auch das Gericht, vor dem ich den Kläger
mit dem Hinweis auf diese Lüge charakte-
risieren möchte? Das Gericht glaubt es nur,
wenn Sie mir telegraphisch oder in einem Brief
Ihres Verlags, freundlichst mitteilen, daß Sie
das nie gesagt haben. Wollen Sie sich die Mühe
machen, mir eine solche Mittel[un]g zugehen zu
lassen? Ich wäre Ihnen außerordentlich dank-
bar. Wann kommen Sie endlich nach
Berlin?
Mit herzlichen Grüßen
Siegfried Jacobsohn