Wien, 27. Juli 1934
Verehrte Frau Gemaine Goblot!
Empfangen Sie herzlichen Dank für Ihre freundlichen Worte!
Herrn Werner Kraft kenne ich nicht persönlich, doch stehen
wir im Briefwechsel mit einander. Vor Jahren, als ich die Register-
arbeit begann und der Meinung war, dass sich so etwas von mehreren
Personen gemeinsam arbeiten lässt - eine Meinung, von der ich gänzlich
abgekommen bin - war er einer der gedachten Mitarbeiter und hat auch
in den ersten Monaten die von ihm erbetenen Daten geliefert. Später
meldete er sich als Emigrant schriftlich aus Paris bei mir mit den
von ihm erwähnten zwei Arbeiten (über Gedichte von K.), die ich schön
fand. Wir korrespondierten über Sinn und Form der beiden Gedichte
und schliesslich wandte ich mich an Ludwig Ficker, den Herausgeber
des Brenner und meinen Freund, indem ich ihm das Manuskript der Arbeit
Krafts sandte und für die Veröffentlichung im Brenner eintrat. Diese
Arbeit gab dann den ersten äusseren Anstoss zur Verwirklichung eines
bei Ficker schon fast bestehenden Planes, nämlich eine eigene Nummer
des Brenner zum 60. Geburtstag von Karl Kraus herauszugeben, was auch
geschah. Die Nummer ist sehr schön; vielleicht lassen Sie sich sie
vom Brenner-Verlag Innsbruck zusenden. Werner Kraft ist ohne Zweifel
ein jeder Förderung werter, treuer und dankbarer Anhänger von K.K.
Wenn es in Ihrer Macht liegen sollte, ihm zu helfen, so würden Sie
Ihre Hilfe keinem Unwürdigen leihen.
Vor wenigen Tagen erschien die Nummer 889 der Fackel, die
nur eine Einleitung zu der heute erscheinenden 16 fachen Nummer
bildet. Ich veranlasse, dass beide Ihnen heute als Drucksache zuge-
schickt werden.
Darf ich aussprechen, dass mich aus Ihren Briefen ein tief
verwandtes Gefühl anweht? Ich wünsche sehr, dass uns das Schicksal
eine Begegnung gewähre. Herzlichst ergeben Dr. K. Jaray
Verehrte Frau Gemaine Goblot!
Empfangen Sie herzlichen Dank für Ihre freundlichen Worte!
Herrn Werner Kraft kenne ich nicht persönlich, doch stehen
wir im Briefwechsel mit einander. Vor Jahren, als ich die Register-
arbeit begann und der Meinung war, dass sich so etwas von mehreren
Personen gemeinsam arbeiten lässt - eine Meinung, von der ich gänzlich
abgekommen bin - war er einer der gedachten Mitarbeiter und hat auch
in den ersten Monaten die von ihm erbetenen Daten geliefert. Später
meldete er sich als Emigrant schriftlich aus Paris bei mir mit den
von ihm erwähnten zwei Arbeiten (über Gedichte von K.), die ich schön
fand. Wir korrespondierten über Sinn und Form der beiden Gedichte
und schliesslich wandte ich mich an Ludwig Ficker, den Herausgeber
des Brenner und meinen Freund, indem ich ihm das Manuskript der Arbeit
Krafts sandte und für die Veröffentlichung im Brenner eintrat. Diese
Arbeit gab dann den ersten äusseren Anstoss zur Verwirklichung eines
bei Ficker schon fast bestehenden Planes, nämlich eine eigene Nummer
des Brenner zum 60. Geburtstag von Karl Kraus herauszugeben, was auch
geschah. Die Nummer ist sehr schön; vielleicht lassen Sie sich sie
vom Brenner-Verlag Innsbruck zusenden. Werner Kraft ist ohne Zweifel
ein jeder Förderung werter, treuer und dankbarer Anhänger von K.K.
Wenn es in Ihrer Macht liegen sollte, ihm zu helfen, so würden Sie
Ihre Hilfe keinem Unwürdigen leihen.
Vor wenigen Tagen erschien die Nummer 889 der Fackel, die
nur eine Einleitung zu der heute erscheinenden 16 fachen Nummer
bildet. Ich veranlasse, dass beide Ihnen heute als Drucksache zuge-
schickt werden.
Darf ich aussprechen, dass mich aus Ihren Briefen ein tief
verwandtes Gefühl anweht? Ich wünsche sehr, dass uns das Schicksal
eine Begegnung gewähre. Herzlichst ergeben Dr. K. Jaray