Janowitz, Franz: Brief an Karl Kraus. o.O., 19.8.1917
19. Aug. 17
Lieber verehrter Herr Kraus!
Ihr letzter Brief hat mich aufs tiefste ergriffen,
er berührte die wundeste Stelle in meinem Innern.
Die unsäglich kostbare Zeit! Nun bin ich 47 Monate
bei Militär. Und wer weiß, wie lange noch
die Verbannung dauern wird! Leider irren Sie,
wenn Sie annehmen, ich hätte an der Fertig-
stellung der Manuskripte gearbeitet. Ich habe seit
einem halben Jahre keine Zeile geschrieben. Mein
lieber guter Otto mag das in meinen Briefen
an ihn gemerkt haben. Innigen Dank für
Ihre gütige Mahnung!
Ich schrieb vor einiger Zeit nach Zürich, postlagernd.
Nun wiederhole ich meinen Dank für die
Übersendung der Bücher und Ihre Grüße, die
mir in dieser trostlosen Menschenumgebung
doppelt wert und teuer sind.
Mit allen guten Wünschen für Ihre
Arbeit und vielen herzlichsten
Grüßen
immer Ihr
Franz Janowitz
Dem Verlag habe ich meine
Adresse mitgeteilt.