Jaray, Karl: Brief an Karl Kraus. Wien, 16.10.1934
Wien, 16. Oktober 1934
Hochverehrter Herr Kraus!
Ich bitte Sie, die beiliegende erste Skizze für die von mir
für möglich gehaltene Verständigung der "kleineren Gemeinde" anzusehen.
Ich glaube, durch meine Abweisung vom 29. April, die ich voranstelle,
die richtige Anknüpfung finden zu können. Dass Sie den Entwurf zum Teil
oder zur Gänze verwerfen können, ohne in mir anderes als Dankbarkeit
für die Mitteilung Ihres besseren Wissens und klareren Denkens zu
erwecken, wissen Sie schon.
Das städtische Elektrizitätswerk hat der Verlegung der Schalt-
uhr ins Untergeschoß zugestimmt.(Nach einer allgemeinen Bestimmung
dürfen Zähler und Uhren nicht unterhalb des Strassenniveaus aufgestellt
werden, was nur der Besorgnis wegen Feuchtigkeit und dadurch unrichtigem Ganges der Uhren
entspringt. Sie konnte für den vorliegenden Fall zerstreut werden.)
Da ich die Arbeiter für morgen früh nicht verlässlich zugesichert bekom-
men konnte, habe ich die Gewissheit, dass übermorgen die Arbeit durch-
geführt werden kann, der Unsicherheit, ob es morgen noch einzuteilen
möglich sein würde, vorgezogen. Wir werden also Donnerstag um 7 Uhr
früh beginnen und alles genau wie gestern besprochen, so rasch und
still wie möglich durchführen.
Die Sendung an Dr. Turnovsky ist abgegangen.
Adolf Raab hat sich heute telephonisch gemeldet und wird
morgen zu mir kommen.
Martin Jahoda werde ich wahrscheinlich erst morgen oder über-
morgen besuchen können, die "Hebung des Einheimischenverkehrs" viel-
leicht morgen heraussuchen.
Da ich am Nachmittag einige berufliche Wege vorhabe, so weiss
ich nicht, ob ich um ½8 werde anrufen können; darum lege ich Ihnen das
alles jetzt schon vor. Ich werde aber, wenn es irgendwie möglich ist,
doch um ½8 Uhr anrufen. Es grüsst Sie wie immer in dankbarer Ergebenheit
Ihr Jaray