Bartsch, Rudolf Hans: Brief an Franz Karl Ginzkey. Sankt Peter, 24.2.1924
ein Geschäftsgeheimnis, das ich Dich Berta nicht mitzuteilen bitte!
Von einem gleichzeitigen Abdruck der „ Saligen ” in einer Berliner
Zeitung habe auch ich im Geheimen geträumt, aber Berta war schneller als ich
und ist von selber auf den Gedanken gekommen; das ist jetzt schon die zweite
Lücke im kleinen Sparpfennig, den ich Gretl zugedacht habe. Möge sich das
Schicksal an der Duplizität der Fälle begnügen und nicht noch etwas drittes
verlangen. Berta hat jetzt monatlich ungefähr 9 Millionen , Gretl und ich ha-
ben nur den dritten Teil zusammen und nur, wenn ich mich sehr anstrenge, noch
eine weitere Million. Diese Anstrengung gilt seit 1. Jänner der N. Fr. Presse,
da mich Löbl dermaßen vor den Kopf gestoßen hat, ( ebendas wollte ich Dir
mündlich mitteilen ) daß ich ihm für eine kleine Weile untreu geworden bin.
Ich hoffe sehnlich, infolge der Stabilisierung der Mark der regelmäßigen Zei-
tungsarbeit überhaupt enthoben zu sein. Sie frißt meine besten Kräfte und ich
bringe doch nichts zuwege, weil derlei Dinge nicht terminmäßig erledigt wer-
den können. Die „Salige ” habe ich wohl soeben im ersten Konzept fertig ge-
bracht, jedoch kommt jetzt die mir stets so fürchterliche Überarbeitung, über
die mich nur der tiefe Schnee hinwegtröstet, der hier liegt und mich der herr-
lichen Landschaft und meiner Freiheit doch nicht froh werden ließe.
Gretelchen schließt ihre herzlichsten Grüße an die meinigen an und
hofft ebenso wie ich, daß Du bald mit Deiner Anwesenheit in Graz erfreust
Deinen Dir herzlich ergebenen
Rudi Hans.