Kahrer, Max: Brief an Arthur Roessler. o.O., 10.8.1917
10. Aug. 1917
Lieber Herr Rössler!
Das waren jetzt schöne Zeiten, Tage
fröhlichen Schaffens oder innerer
Sammlung. Doch ein Nachmittag
war besonders reich. Da lag ich in
der Au an einem der stillen Donau-
arme, die Landschaft vom grellsten
Sonnenlicht durchflutet, die vom
Winde bewegten Weiden und Pappeln
zeigen die Kehrseite ihrer Blätter,
ein hartes scharfes Silbergrau,
welches dem Farbenbild die Dominante
giebt. Alles ein Bild der immer
gerecht arbeitenden, vom grauslichen
Hasten der Menschen unberührten
Natur. Tiefe Freude überkommt
mich. Da beginne ich die kleine
Monographie über Sie zu lesen.
Ich lese sie in einem durch, blicke
dann wieder hinaus und muss
wieder über Sie und Ihre Art denken,
wie schon so oft. Herr Erich Felder
verfügt über einen schönen Wortschatz,
er würdigt Sie, doch wohl mehr als
Schriftsteller, als Schreiber selbstständiger
Bücher, welche ich leider gar nicht kenne,
daher ich mir in dieser Beziehung kein