Kalbeck, Max: Kartenbrief an Hugo Wittmann. o.O., 20.12.1918
20. 12.
18.
Vielgeliebter und hochverehrter Freund!
Um Ihnen für Ihr Prachtfeuilleton - eines der
schönsten, das den Buchstaben „W“ im Wappen führt, wie
meine Vaterstadt Breslaw, - geziemend zu danken,
müßte ich in der Tat der Dichter sein, der als solcher es
wagen dürfte, zwischen Keller u. Heyse zu treten. Da lüde
ich lieber Sie dazu ein und gesellte mich als vierter Mann
zu einem fröhlichen Quartett illuminierter Zechbrüder
in der „Oepfelchammer“ oder bei Ganse, wenn der
Züricher und der Münchener sich zu einem bescheidenen Wein
oder [Bierweischen] nach Wien verführen ließen, falls wir
Propheten nicht noch lieber zu den Schwyzer Bergli
kämen. Sie haben mir eine unaussprechlich große Freude
gemacht, und mit dem Ehrenbanner der mir von Ihnen
geschenkten Fahne in der Hand, schlage ich jeden Wider-
sacher in die Flucht, "Es kann mir [viel] mehr [zusagen]".
Das köstlichste in Ihrem Aufsatz sind natürlich Sie selber,
wie Sie sich am Schlusse zu Ihrer vollen Höhe aufrichten -
als Mensch, Freund und Dichter. Dreimal hoch. Nach
sauren Wochen frohe Feste wünscht mit gerührten Grüßen
meiner Frau
Ihr treuer Max Kalbeck.