Kienzl, Hermann: Brief an Wilhelm Kienzl. Wilmersdorf bei Berlin, 14.9.1914
gesperrt wäre, und wenn ich nicht
außerdem persönlich in schwere
Mitleidenschaft gezogen wäre.
Von Mites Ältestem, Georg, sind
nun endlich aus dem Innern Frank=
reichs tiefaufwühlende Feldpost=
karten gekommen, denen nichts
Tröstliches zu entnehmen war, als
daß er am 6. September noch
lebte .... Er kämpft am rechten
Flügel der Kluck'schen Armee,
an jenem Flügel, der am 8. dM.
blutig zurückgeworfen wurde,
u. steht seit dem 23. August, also
seit mehr als 3 Wochen, Tag für
Tag im Gefecht, in großen Schlachten
gegen dreifache Überzahl. In dieser
Zeit fand er kein anderes Bett,
als in den Gräben unter freiem
Himmel. Unerhörtes leisten die
Schwergeprüften; ebenso unerhörte
Ängste u. Schmerzen leidet manche
Mutter. - Ich zittere zu jeder Stunde
vor der Katastrophe.