Kienzl, Hermann: Postkarte an Wilhelm Kienzl. Wilmersdorf bei Berlin, 31.1.1914
wir Kinder unsre Beiträge fixieren. (Ich habe
damit nach m. bescheidenen Kräften vor Mona=
ten begonnen.) Den Irrationalismus auf der
anderen Seite u. den Dir daraus erwachsenden
Ärger überschaue ich vollkommen. Es gibt
eben Naturen - Schauspielernaturen -, bei denen
der Ausdruck seltsamer Weise das Primäre
ist; die Phantasie gestaltet einen Ausdruck, der
den Tatsachen nicht entspricht - oder nur ver=
zerrten Tatsachen. Wir ändern's nimmer!
Liesbeth geht es langsam besser, doch leidet sie
noch, u. das Examen ist in Gefahr. Die Wochen=
spielpläne verfolge ich mit Anteilnahme - und
nicht gerade mit Vergnügen. Mein „Geschäft”
geht jetzt sehr flau. Mit der Forderung, daß philoso=
phische Forderungen an ein musikalisches Kunstwerk nicht
gestellt werden sollen, hast Du gewiß Recht. Aber die Wag=
[seitlich:]
nerianer machen diese Dummheit. Herzl. Dein
Hermann