Kienzl, Hermann: Brief an Wilhelm Kienzl. Wilmersdorf bei Berlin, 15.1.1926
regelmäßig aufgeführt; letzthin gab's sogar eine
Sonntags=Tantième.
Daß bei den Exls - und auch
sonst in der Welt - allerlei talentloser
Mist (jüngst auch Decseys Bruckner=Stück,
das beschämend schlecht sein soll) große
Erfolge hat - wen wundert's? Und
wenn es die engere Familie befriedigt,
na, so hat's einen humanitären Zweck!
Ob ich nach Wien komme? Nein,
mein Lieber, mit dem Reisen ist's für mich
vorbei! Ich schiebe mich mühsam von einem
Zimmer in's andere. Der Zustand des linken
Beins wird einer Lähmung immer ähnlicher.
Ich erinnere mich, daß bei Falb im Jahre 1890
die Erscheinungen, die der Lähmung vorausgiengen,
ganz den meinen jetzt ähnlich waren. Also
Dein Geburtstags=Cigarren=Kistel werde ich
wohl nicht mehr holen; könnte übrigens
mit den Cigarren auch nichts anfangen!
Nochmals: spring fröhlich in's 70te
Lebensjahr!
Von ganzem Herzen
Dein
Hermann.