Berlin=Wilmsdf, Berlinerstr 10. 26. Mai 1921.
Lieber Gulian!
Nach des Paradeises Brauch und Sitte stell ich mich
zum 28. Mai ein und sag mein Glückwunsch=Sprüchlein.
Vor 19 Jahren hab ich zum letzten Mal Papa gratuliert
- in Gleichenberg .... Dir nun alles Liebe und Gute
- selbstverständlich! Die Wünsche haben gerade in
diesem Jahr ein gut Teil glücklicher Erfüllung voraus.
Wenn ich auch am wenigsten groß Wesen mache aus
dem Kirchen= und Staatsstempel, so fühl ich doch in
Dich hinein, daß die neue Form Dir ein volles Behagen
giebt; und gesteigert wird es sicher durch das
Bewußtsein, der lieben, standhaften Henny mit
dem selbstverständlichen Zugeständnis das Dasein
erleichtert zu haben. Über das, von allen
äußeren Umständen unabhängige Glück der Kamerad=
schaft noch sentimentale Worte zu verlieren,
hielte ich für geschmacklos. Da weißt Du selbst
ja am besten Bescheid! Das - und noch mehr -
schrieb ich Dir übrigens in dem langen Brief
anfangs April, der unerhörter Weise verloren
gieng. Er war Schreigasse 6 adressiert. Gleich=
zeitig mit ihm hatte ich einen Brief an Ziska auf=
gegeben, und auch der scheint nicht angekommen
zu sein; denn es wäre sonst kaum zu erklären,
daß sein recht wesentlicher Inhalt unbeantwortet
blieb.
In jenem Brief an Dich hatte ich auch ausführlich über Liesbeths
Lieber Gulian!
Nach des Paradeises Brauch und Sitte stell ich mich
zum 28. Mai ein und sag mein Glückwunsch=Sprüchlein.
Vor 19 Jahren hab ich zum letzten Mal Papa gratuliert
- in Gleichenberg .... Dir nun alles Liebe und Gute
- selbstverständlich! Die Wünsche haben gerade in
diesem Jahr ein gut Teil glücklicher Erfüllung voraus.
Wenn ich auch am wenigsten groß Wesen mache aus
dem Kirchen= und Staatsstempel, so fühl ich doch in
Dich hinein, daß die neue Form Dir ein volles Behagen
giebt; und gesteigert wird es sicher durch das
Bewußtsein, der lieben, standhaften Henny mit
dem selbstverständlichen Zugeständnis das Dasein
erleichtert zu haben. Über das, von allen
äußeren Umständen unabhängige Glück der Kamerad=
schaft noch sentimentale Worte zu verlieren,
hielte ich für geschmacklos. Da weißt Du selbst
ja am besten Bescheid! Das - und noch mehr -
schrieb ich Dir übrigens in dem langen Brief
anfangs April, der unerhörter Weise verloren
gieng. Er war Schreigasse 6 adressiert. Gleich=
zeitig mit ihm hatte ich einen Brief an Ziska auf=
gegeben, und auch der scheint nicht angekommen
zu sein; denn es wäre sonst kaum zu erklären,
daß sein recht wesentlicher Inhalt unbeantwortet
blieb.
In jenem Brief an Dich hatte ich auch ausführlich über Liesbeths