Kienzl, Hermann: Brief an Wilhelm Kienzl. Wilmersdorf bei Berlin, 29.12.1920
stecken geblieben zu sein. Kein Hauch, weder Mailuft
noch Furz, kommt aus dem Burgtheater. Nach
Rücksprache mit Dr. Entsch, dem Direktor meiner
Vertriebsstelle, bitte ich Dich, nun halt auch
beim Deutschen Volkstheater Deinen Einfluß aktiv
zu machen. Die Vertriebsstelle sendet heute
das Buch an's Volkstheater. Die eine Aktion
braucht die andere nicht von vorneherein zu
lähmen. Es ist im Gegenteil möglich, daß
etwaige Chancen beim Volkstheater das
Burgtheater zu rascherem Entschluß drängen.
Nach einem Erfolg wie der in Kiel wäre
das Steckenbleiben des Stücks nicht zu
verstehen - und die Indolenz der Heimat
schon gar nicht. Ich weiß nicht, welchen Macht=
haber in der Bellaria Du zur Hand hast;
aber von Gewicht wird Dein Fürwort dort
bei allen sein. Mach's nur gut und
energisch!
Die Volksbühne am Bülowplatz war
nahe daran, abzuschließen. Aber nun wollte
die Fehdmer, Dir. Kayßlers Frau, die Tschi=
traleka nicht übernehmen, weil sie sich
für die Mittelakte nicht jung genug fühlt;
und so - läßt man die ganze Absicht fallen!!