Kienzl, Hermann: Brief an Wilhelm Kienzl. Wilmersdorf bei Berlin, 7.2.1925
Berlin=Wilmersdf Berlinerstr 10
7. Februar 1925.
Mein lieber Gulian!
Zu meiner Freude lese ich in der Neuen Freien
Presse, daß es mit der Première des „Sanctissimum”
bei Donnerstag dem 12. Februar bleiben soll. Noch
kann ich es nicht zuversichtlich glauben, daß
wirklich einmal der Zufall mir die Karten
so günstig mischen will, - noch rechne ich mit
der Möglichkeit einer Verschiebung der Aufführung.
Gehört es doch zu den Annomalien, daß ein
wochenher festgesetzter Termin beim Theater ein=
gehalten wird. Wenn es aber wirklich so
käme, würde ich nun -- dabei sein können!
Nicht ganz ohne mein von brüderlichem Wunsch
diktiertes Zutun wurde meine Wiener politische
Geschichte vom 6. auf den 13. Februar verschoben,
infolgedessen ich an Deinem Gerichtstag Donnerstag
den 12. nachmittag 3 Uhr in Wien eintreffen und
vom Westbahnhof direkt zu Euch fahren werde.
Mir ist diese Fügung ein Glück - und ich nehme
an, daß sie auch Dir behagt. In Deinem lieben
Brief vom 27. Januar waren melancholische Be=
trachtungen, die ich wohl verstehe und die
der Allmenschliche uns voraus gesagt hat:
„Sie hören nicht die folgenden Gesänge,
Die Seelen, denen ich die ersten sang;