Kienzl, Hermann: Brief an Wilhelm Kienzl. Wilmersdorf bei Berlin, 19.8.1921
mich magst Du im Geiste als Beistand spuken
(nicht spucken!) sehen. Vielleicht fügt
es sich doch, daß ich im Spätherbst nach
Österreich komme; dann halten wir
Nach=Feier!
Für Deine Lämmer=Protektion beim
Volkstheater=Glücksmann aufrichtigen Dank.
Sofort sandte ich dem Manne das Buch
mit entsprechendem Brief, aber meine
Erwartungen sind gering.
Ich bin zur Zeit, soweit es mir
der Trubel anderer Obliegenheiten erlaubt,
in einer neuen dramatischen Arbeit;
mache aus Kotzebues „Verschwörung
auf Kamtschatka” ein neues Stück. Ver=
spreche mir einen geschmackvollen Reißer;
aber der Mensch kann irren.
Mit dem Kuhreigen gieng es diesmal,
in der dritten Sommersaison, nicht so gut.
Das Haus wenig geeignet, das Orchester
schlecht. An die 20 Aufführungen mögen
es trotzdem gewesen sein.
Sei umarmt! Diesmal besonders heftig!
Dein Hermann.
[links davon:]Tausend Dank für die der Liesbeth geleistete
Hilfe. Da kannst Du wirklich ganz ohne Sorge sein!