Kienzl, Wilhelm: Brief an Lili Kienzl. Wien, 26.3.1919
Universitätsprofessor der Zoologie, hielt einen
interessanten Vortrag über die Verwertung + Zukunft von
Schönbrunn [Schloss, Park, Menagerie etc].
Nach langem bei Henny mit Jülllig's, Hari
u. Hilde gespeist. Am frühen Nachmittag
fuhr ich mit Allen per el. Bahn zum Verein
„Bildungshort” im 5. Bezirk, wo in einem prachtvollen
sehr akustischen Saale ein volkstümliches
Kienzl=Konzert unter meiner eigenen
Mitwirkung stattfand, das einen Riesen=
erfolg hatte. Es wurden nur meine Sachen,
u. zw. populärere u. eingängliche, vorge-
führt: Nach einer kurzen Rede des Veranstalters, in
der ich als „Altmeister der oesterreich. Ton-
kunst” gefeiert wurde, wurden gespielt u.
gesungen: Phantasiestück (E-dur)
u. „Swantewit” für Klavier u. Violine, 4 Kinder-
lieder („Vögleins Bitte”, ‚Wanderlied‘, „Der Mutter Wiegenlied",
„Mai‘), Klavierstücke („Neuer Walzer”, „Seliges Waldes-
geheimnis”, „Kroatentanz”, ‚Cis-moll=Polonaise‘), die ich
ausgezeichnet spielte, Melodram „Die Brautfahrt”,
Lieder f. Tenor („Selig sind...”; ‚Portugies. Volkslied‘,
‚Jung Werner's Lied‘, „Wie ist doch die Erde so schön!”
da capo). Die 2 Duette mußten diesmal leider
wegfallen, da die Sängerin Frl. Schlesak aus einem
anderen Konzerte, in dem sie mitwirken mußte,
zu spät zurückkehrte. Ich machte dann
mit Hari u. Hilde einen Besuch bei der ganz
in der Nähe des Konzertlokals wohnenden
Johanna Neubauer, die uns mit großer Herz-
lichkeit empfing u. uns Tee mit - Salzbur=