Kienzl, Wilhelm: Brief an Lili Kienzl. Wien, 26.3.1919
lässt sich ertragen. Mit den Schrank
fächern (Safes) hab' ich nichts zu schaffen.
Ich habe alles (Wertpapiere u. Bar-
geld) im Depôt, u. zw. teils in der Steierm.
Escomptebank, teils im Wiener Bank-
verein u. in einem Grazer Gemeindespar-
kassabüchel. Du hast Dich gar nicht
zu ängstigen, da ich alles mit größter
Überlegung u. Vorsicht tue. Dass die
Steuerlasten für mich groß sind, muß
ich tragen. Das hat heute Jeder zu tragen,
u. ich kann keine Ausnahme bilden.
Es wird aber besser werden mit der Zeit.
Die Steuern für das Jahr 1919 werden bei mir
wohl geringer sein wie für das Jahr 1918.
Den Brief von Frau Köberl schicke ich Dir
hiermit zurück. Er ist sehr lieb, aber
schlau. Ihr waren entschieden die Preise,
die wir ihr für Milch u. Gemüse zahlten,
zu gering. Ich schrieb den Köberl's jetzt
auch einen lieben Brief, so dass sie
gut gegen uns gestimmt werden. Hof-
fentlich hat's gute Folgen. Schreib' ihr
Du vorläufig nicht mehr! Dies ist mein
Rat.
Frl. Rauscher schrieb mir, dass es