Kienzl, Wilhelm: Korrespondenzkarte an Lili Kienzl. Wien, 30.4.1919
Meine liebe Lili! Wien, 30. April 1919.
Seit Deinem Briefe vom 21. d. M. nach Graz habe ich keine Zeile von
Dir erhalten. Warum? Meinen Brief vom 25. - 26. April aus Graz,
der Dir mein Grazer Leben schildert, wirst Du inzwischen wohl
erhalten haben, ebenso das Dir aus Graz geschickte Geld für die
Zahlung Deiner Pension im ganzen Monat April! Ich reiste
Samstag den 26. d. M. Mittags wirklich aus Graz ab (auf dem Bahn-
hofe waren: Emma, Kurt, T. Bertha, Hans, Dr. Norbert Stücker) u. kam Abends
8 Uhr an. Nun habe ich hier die wichtigsten Dinge zu erledigen: 1) muß
ich abermals zum Zahnarzt, da es sich um eine Wurzelbehandlung han-
delt (ich hatte rasende Zahnschmerzen), die Dr. Klauser in Graz nicht
mehr in Angriff nehmen konnte, weil es dazu mindestens 8-10 Tage
bedarf - wahrlich kein Vergnügen! Dann beginnt für die Vermö-
gensabgabe für den Buchstaben K (‚Kienzl’) die Anmeldung hier.
Da muß ich natürlich noch hier sein. Heute ist meine Rosegger=
Vorlesung. Am 7. Mai ist mein Liederabend. Dann komme ich zu
Dir, um mit Dir alles zu besprechen u. zu ordnen. Ich habe be-
reits vorgestern bei der Landesregierung Linz um die Einreisebe-