Kienzl, Wilhelm: Brief an Nina Kienzl. Bad Aussee, 7.7.1915
ich nicht pünktlich damit,
sondern verfrüht.-
Was mich überaus wundert, ist, dass
Hermann mir nicht eine Zeile seit
seinem 50. schrieb. Ich schrieb ihm am
15. Juni aus Hallstatt einen Glück-
wunschbrief, ebenso Lili; dann schick-
ten wir die Blumenkarten mit Wid-
mungsversen*) ab; dann ging von
Graz der „Kriegsbecher“ an ihn ab. Und
nun sind 15 Tage, resp. 3 Wochen vergangen,
u. ich weiß nicht einmal, ob er das Alles
erhalten hat! Ich besorge daher eine
Abhaltung durch Krankheit. Ich schrieb
ihm noch einmal seither u. schickte ihm eine
politische Brochüre. Die „Gr. Montags-
zeitung“ schickte ich Dir zurück. Hast
Du sie erhalten?
Auch von Johanna Neubauer kam
keine Zeile über den Tod der lieben
Stadlinger an uns, obwohl wir telegra-
fiert, geschrieben u. einen Kranz ge-

Lili: Vom Dachstein bis zum Strand der Spree
Erschallt ein donnerndes Juchhe!

ich: Lieber Bruder, Sonnenhöhe
Hast du kämpfend nun erreicht.
Deine weit'ren fünfzig Jahre
Sei'n Dir erntereich und leicht!