Kienzl, Wilhelm: Korrespondenzkarte an Helene Bauer. Graz, 9.4.1917
L. Fr.! Ostermontag (9.April) 1917.
Meine Ostern verlaufen recht eintönig. Wie mag's bei Euch
schön gewesen sein! 4 Ostereier färbte ich auf meine Weise (trotz des
behördl. Verbotes), indem ich sie mit Farben aus meiner Knabenzeit
bemalte. Ein wenig komponierte ich. Frau Gegenbauer aus Wien (bei
Dir getroffen) schickte mir ein Bändchen schwacher Gedichte von Schullern.
An Heller, schickte ich gestern genaues Programm des Liederabendes, aller-
dings mit Duhan's Namen u. Liederwahl. Gestern kam wieder der treue
Kalin. Ich spielte ihm viel vor. Du hörtest zu. - Von Gregor kam noch
keine Antwort. Wie wird sie ausfallen? (ich ersuchte um telegraf. Be-
scheid). An Excellenz Fesch (die Frau) schrieb ich Deinem Wunsch gemäß
einen sehr liebenswürdigen Brief. Nur wußte ich nicht, wie ich ihre
Adresse schreiben sollte, da ich weder Vorname, noch genauen Titel ihres
Mannes wußte. Ich schrieb daher: „Ihrer Excellenz Frau Baronin Fesch,
Wien, I, Stubenbastei 12“. Ist sie keine Baronin, nun dann wird sie durch
meine Standeserhöhung wohl nicht beleidigt sein! Von Hari kam heute eine
liebe Karte. La Harpe schrieb mir auch u. schickte ihr schönes Gedicht zu
meiner Büstenenthüllung. Heute kam auch eine Karte von Frau Edlinger, dass es ihrem