Kienzl, Wilhelm: Brief an Nina Kienzl. Bad Aussee, 12.10.1915
Gewissen getrieben (da steckst wohl
Du dahinter???!!), einen Brief u.
kündigte mir seinen verspäteten
Besuch an. Aber bis heute kam
er trotz schönsten Wetters nicht.
Das ist eine „Laundlerei“!-
Sehr angenehm wäre es mir,
wenn Du mir das „Heimgarten“=Heft
mit Roseggers Offenem Brief an
mich schicktest. Der interessiert
mich sehr.- Für Sorantin lege ich
eine Anzahl von guten Empfehlungs-
karten bei, die er selbst in kleine
Kuverts stecken soll. Die werden ihm
sicher nützen. Ich schrieb an Frau Dr
Rechinger, Else Hedding, Frau v. Fröhlich,
Frau Auspitz, an Jülligs u. an Wein-
berger. Vielleicht bist Du so gut, selbst
auch noch an Marianne Schrutka zu schrei-
ben, dass sie ihm wöchentlich einmal
Mittagsfreitisch giebt.- Hoffentlich
geht's Dir gut!- Die Zeiten sind schwer,
aber doch- großartig u. für uns Oester-
reicher hoffnungsvoll. Es umarmt
Dich in inniger Liebe Dein treuer Sohn
Wilhelm.