Kienzl, Wilhelm: Korrespondenzkarte an Helene Bauer. Graz, 3.4.1917
L. Fr.! Graz, 3.IV 1917.
Heute einmal ganz gewöhnliche Mitteilungen! Wie gerne hätte
ich sie Dir mündlich auf der nun von mir leichtsinnig aufgege-
benen Reise nach Nürnberg gemacht! Laut der „Zeit” fand
am 10. März im großen Konzerthaussaal eine Wohltätigkeitsaka-
demie statt, die 20000 Kronen abwarf. In ihr sang der „Schu-
bertbund” meinen Dir noch unbekannten großen Chor „Wach'
auf, mein Volk!” - Und Du hast ihn nicht gehört! Ist das möglich?
Ganz fremdartig berührt mich das. - Gestern im Kaffeehaus
ziemlich gute Ausbeute: „Evangelimann” in Döbeln in Sachsen,
wo er noch neu (!) war u. das die 248. Bühne ist, 5 mal, ferner in
Barmen, Frankfurt a/M., Mannheim, Bern, Dresden, „Kuhreigen”
in Wien u. Prag, „Testament” in Nürnberg. - Else H. schrieb sehr
lieb u. mich tröstend über meine derzeitige unproduktive Stimmung.