Kienzl, Wilhelm: Brief an Helene Kienzl. Graz, 24.3.1917
Schreibe wie-
der einmal Gleichgültiges
an meine Adresse
(etwa Korrespondenz-
karte)
Graz, 24 III 1917.
Liebes Kind!
Ach, wenn Du nur einsähest, dass
ich gegen Lili nicht ohne jeden äu-
ßeren Grund brutal sein kann, dass
mein ganzes Wesen sich dagegen
sträubt! - Dabei gelingt es mir
nicht, meine düstere Stimmung
vor ihr zu verbergen. Ich beherr-
sche mich aufs äußerste, aber
sie merkt mir meine Sehnsucht
nach Dir, nach dem erquickenden
Quell Deiner Liebe in jedem Au-
genblicke an. Kann ich was da-
für? - - - Wenn Du mich in
meinem Leid sähest, Du wärst
gerührt u. nachsichtsvoll - ich
weiß es; aber Du würdest auch