Koenig, Alma Johanna: Brief an Heinrich Tieck. Eppenberg, 20.7.1929
Ich weiß noch gar nicht, wie lange
ich hier bleibe, aber diese süße,
beseligende Landschaft erheitert,
beglückt u. erfüllt mich so sehr, daß
ich meine es wird noch ein Weilchen
dauern. Aber im September bin
ich wohl sicher in Wien und wir
können alles besprechen. Vor Allem aber
möchte ich Sie fragen, ob Herr Studer
vom Amalthea, mir Schwierigkeiten
wegen des Abdrucks von 6 Gedichten
aus einem 1918 erschienen Buch
machen kann??? - Ich würde die
neue Sammlung nicht gern die Winds
braut nennen. Damals paßte der Titel,
aber heute weht mein Wind wohl
sanfter. Darüber will ich, zwischen
Heidelbeeren, Gelsen, Schwammerln noch
nachdenken. - Haben Sie, Armer, gar
keinen Urlaub??? Grüßen Sie Herrn
Lederer und sagen Sie ihm, ich sei recht
stolz: denn wenn Gedichte einen so beschaftig
ten Geschäftsmann aufhorchen machten,
welch beßres Zeichen sollte man wünschen?
[seitlich:]
Mit den herzlichsten Grüßen, dem Verlagsdirektor, wie
dem Menschen - Ihre A J. Koenig.