Kralik, Richard: Brief an Stefan Rath. Wien, 25.2.1918
Wien 25. 2. 18
Lieber Stefan!
Wenn Du irgendwie das Gefühl haben solltest, Bettelheim gegenüber
für Deine Person in eine schwierige Lage zu kommen, so schiebe nur
alles auf mich. Sage, wie es ganz der Wahrheit gemäß ist, Onkel
Ludwig habe Bettelheim nur deshalb in seiner Aufschreibung ge-
nannt, weil er, wie er ausdrücklich bemerkte, seinen Neffen nicht die
Arbeit der Sitzung und Redaktion aufhalsen wollte (oder
wie es sonst im Kodizill heißt). Nun aber habe sich
Dein Vetter Richard bereit erklärt, diese Arbeit doch zu übernehmen,
so daß eine Inanspruchnahme Bettelheims entfällt. Wie wenig
Onkel Ludwig diese Bettelheim betreffenden Bestimmungen
als definitiv angesehen hat, geht doch daraus hervor, daß
er ihm die gewiß einen großen Kunstwert repräsentierende
Schillermedaille nicht gewahrt hat, sondern sie, was doch
gar nicht seine Verpflichtung war, einfach als Metall ein-
schmelzen ließ.
Der Beschluß vom 19. Dezember bedeutet nach meiner Auf-
fassung, daß in einer erst noch festzusetzenden Zeit ohne Rück-
sicht auf Bettelheim die Publikation erfolgen soll. Das