30. Dezember 1916
Lieber Freund!
Meiner Hoffnung, Sie in Wien zu sehen,
wird keine Erfüllung. Recht und schlecht
sind einige Monate hinter mich gemalt.
Kriegspressequartier hat wieder abgelehnt; -
wie schwer es doch einem originellen Künstler
gemacht wird!
Hier dafür an Terrain gewonnen. Ich bin
mit viel Freude an der Arbeit - nur der Kampf
um's tägliche Brot furchtbar schwer. Mit Moll
führen wir schon monatelang eine Polemik,
weil ich zuwenig Bilder liefere. Nur langsam
gewöhne ich mich daran zu glauben, daß ich
von meiner Kunst leben oder sterben soll,
der Mäzen ist ausgeblieben.
Zwei Tage daheim - Weihnacht ohne
Kinder, traurig, Tadl und Tontla sind
bei meinen Eltern in Neutitschein. Dafür
die Stunden des Wiedersehens mit den alten
Arbeiten u. Büchern im Atelier freudvoll - wieviel
Wille zum Leben steckt dort - Zauberland.
Ein glücklicheres Neues Jahr und
herzlichster Grüße Ihnen und den Ihren
ergebenster Anton Kolig
Lieber Freund!
Meiner Hoffnung, Sie in Wien zu sehen,
wird keine Erfüllung. Recht und schlecht
sind einige Monate hinter mich gemalt.
Kriegspressequartier hat wieder abgelehnt; -
wie schwer es doch einem originellen Künstler
gemacht wird!
Hier dafür an Terrain gewonnen. Ich bin
mit viel Freude an der Arbeit - nur der Kampf
um's tägliche Brot furchtbar schwer. Mit Moll
führen wir schon monatelang eine Polemik,
weil ich zuwenig Bilder liefere. Nur langsam
gewöhne ich mich daran zu glauben, daß ich
von meiner Kunst leben oder sterben soll,
der Mäzen ist ausgeblieben.
Zwei Tage daheim - Weihnacht ohne
Kinder, traurig, Tadl und Tontla sind
bei meinen Eltern in Neutitschein. Dafür
die Stunden des Wiedersehens mit den alten
Arbeiten u. Büchern im Atelier freudvoll - wieviel
Wille zum Leben steckt dort - Zauberland.
Ein glücklicheres Neues Jahr und
herzlichster Grüße Ihnen und den Ihren
ergebenster Anton Kolig