Cassis le 10 août 1914
――――
[linke Seite:]
14. August
Wir haben
die Erlaubnis
nach Italien
zu gehen -
haben kein
Geld - und
versuchen
telegraphisch
eine Kleinigkeit
zu erbitten (nach
Genua).
――――
[rechte Seite (Fortsetzung von S. 4):]
Unser Garten ist reich
an Trauben, das ist
fast die einzige aber eine
köstliche Nahrung - ein
Schwächegefühl im Magen,
weil ich an starkes Essen
verwöhnt bin, wird bald
überwunden sein - wenn
wir es nur immer so
hätten. Ich wünsche
Ihnen Ihrer lieben Frau
und uns allen ein
ungetrübtes Wiedersehen
Ihr ergebener
Anton Kolig
Die Kinder sind uns ein großer Segen;
wir haben einen sehr lieben Nachbar, der den Kindern Honig -Mandeln Chocolade
sendet.
――――
Lieber Freund !
Unsere Lage wird langsam curios,
nachdem sie alle Grade von Beängstigung
Ungewissheit, Furcht vor Hunger durchlaufen
ist. Die Unmöglichkeit abzureisen war
noch immer nicht so ganz trostlos - aber
bereits vierzehn Tage kein Wort von
einem Freunde, wir sind von allen Lieben
abgesperrt - jetzt direkt eingesperrt,
nachdem man mir das Zeichnen und
Malen untersagt hat, selbstverständlich
auch das Ausgehen. Wir haben an Sie
an Moll und andere Freunde geschrieben
und telegraphiert ohne jeden Erfolg;
es ist mir nur zu denken möglich, daß
alle Post unterschlagen und aufgehalten
wird. Wahrscheinlich kommen auch
diese Zeilen nicht in Ihre Hände.
Ob wir nach Südwestfrankreich geführt werden?
Die ersten Tage vor dem Kriege entsetzlich -
alle paar Stunden das Läuten der Glocken
eine Depeche anzeigend. Es war wie
das Erwarten seines Todesurteils. Dann
kam die Mutlosigkeit weil unser monatliches
Gehalt ausblieb und wir im Feindesland
einer entsetzlichen Zukunft entgegensehen.
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[linke Seite:]
14. August
Wir haben
die Erlaubnis
nach Italien
zu gehen -
haben kein
Geld - und
versuchen
telegraphisch
eine Kleinigkeit
zu erbitten (nach
Genua).
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[rechte Seite (Fortsetzung von S. 4):]
Unser Garten ist reich
an Trauben, das ist
fast die einzige aber eine
köstliche Nahrung - ein
Schwächegefühl im Magen,
weil ich an starkes Essen
verwöhnt bin, wird bald
überwunden sein - wenn
wir es nur immer so
hätten. Ich wünsche
Ihnen Ihrer lieben Frau
und uns allen ein
ungetrübtes Wiedersehen
Ihr ergebener
Anton Kolig
Die Kinder sind uns ein großer Segen;
wir haben einen sehr lieben Nachbar, der den Kindern Honig -Mandeln Chocolade
sendet.
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Lieber Freund !
Unsere Lage wird langsam curios,
nachdem sie alle Grade von Beängstigung
Ungewissheit, Furcht vor Hunger durchlaufen
ist. Die Unmöglichkeit abzureisen war
noch immer nicht so ganz trostlos - aber
bereits vierzehn Tage kein Wort von
einem Freunde, wir sind von allen Lieben
abgesperrt - jetzt direkt eingesperrt,
nachdem man mir das Zeichnen und
Malen untersagt hat, selbstverständlich
auch das Ausgehen. Wir haben an Sie
an Moll und andere Freunde geschrieben
und telegraphiert ohne jeden Erfolg;
es ist mir nur zu denken möglich, daß
alle Post unterschlagen und aufgehalten
wird. Wahrscheinlich kommen auch
diese Zeilen nicht in Ihre Hände.
Ob wir nach Südwestfrankreich geführt werden?
Die ersten Tage vor dem Kriege entsetzlich -
alle paar Stunden das Läuten der Glocken
eine Depeche anzeigend. Es war wie
das Erwarten seines Todesurteils. Dann
kam die Mutlosigkeit weil unser monatliches
Gehalt ausblieb und wir im Feindesland
einer entsetzlichen Zukunft entgegensehen.