21.1.26
Lieber Oehl!
Dein Gruß und Wunsch vom 14.1. hätte mich noch mehr gefreut,
wenn Du in der Lesung meiner Aufsätze in der „Sch. Zuk.“ mehr Ver-
gnügen hättest äußern können als Deine Kränkung wegen eines „Ausfalls“
gegen W. Schmidt wegen der sozialdemokratischen Anerkennung. Du
meinst wahrscheinlich den Aufsatz und Passus auf S. 297 von Nr. 12,
der so allgemein abgefaßt ist, daß sich nur jemand darüber kränken kann,
der sich als Marxist fühlt. Aber „quid mihi et tibi?“ Natürlich wird
sich W. Schmidt getroffen fühlen, weil er eben allzusehr auf jener Seite mit
seinen wissenschaftlichen und sozialen Überzeugungen steht. Aber ich alter
Kerl bin doch nicht da, irgendeinem gegen meine wohlbegründete Über-
zeugung nach dem Munde zu reden. W. Schm. ist als „freierer“ Denker be-
kannt und verdankt diesem Umstand gewiß seine Koresp. Mitglied-
schaft d. Akademie d. Wiss. Als Schlitter auch Mitglied werden sollte,
stellte ihm Präsident Redlich die kategorische Bedingung, die Mitarbeiter-
schaft an einem Unternehmen der Leogesellschaft aufzugeben, was
denn auch Schl. tat. Das nennt man Wissenschaft! Das nennt man
Akademie der Wiss.! Ich habe aber dem Gebote meines Gewissens und
meines Wissens zu folgen, nicht dem der gelehrten Kameraderie. Wenn
meine Artikel manchen ein Ärgernis sind, was will ich denn mehr! Ich
will, daß es brenne. Ich weiß, daß Du dem W. Schm. dankbar sein mußt,
weil er Deine linguistischen Sachen druckt, aber das ist doch kein Grund,
dich mir gegenüber so gekränkt auszusprechen.
Lieber Oehl!
Dein Gruß und Wunsch vom 14.1. hätte mich noch mehr gefreut,
wenn Du in der Lesung meiner Aufsätze in der „Sch. Zuk.“ mehr Ver-
gnügen hättest äußern können als Deine Kränkung wegen eines „Ausfalls“
gegen W. Schmidt wegen der sozialdemokratischen Anerkennung. Du
meinst wahrscheinlich den Aufsatz und Passus auf S. 297 von Nr. 12,
der so allgemein abgefaßt ist, daß sich nur jemand darüber kränken kann,
der sich als Marxist fühlt. Aber „quid mihi et tibi?“ Natürlich wird
sich W. Schmidt getroffen fühlen, weil er eben allzusehr auf jener Seite mit
seinen wissenschaftlichen und sozialen Überzeugungen steht. Aber ich alter
Kerl bin doch nicht da, irgendeinem gegen meine wohlbegründete Über-
zeugung nach dem Munde zu reden. W. Schm. ist als „freierer“ Denker be-
kannt und verdankt diesem Umstand gewiß seine Koresp. Mitglied-
schaft d. Akademie d. Wiss. Als Schlitter auch Mitglied werden sollte,
stellte ihm Präsident Redlich die kategorische Bedingung, die Mitarbeiter-
schaft an einem Unternehmen der Leogesellschaft aufzugeben, was
denn auch Schl. tat. Das nennt man Wissenschaft! Das nennt man
Akademie der Wiss.! Ich habe aber dem Gebote meines Gewissens und
meines Wissens zu folgen, nicht dem der gelehrten Kameraderie. Wenn
meine Artikel manchen ein Ärgernis sind, was will ich denn mehr! Ich
will, daß es brenne. Ich weiß, daß Du dem W. Schm. dankbar sein mußt,
weil er Deine linguistischen Sachen druckt, aber das ist doch kein Grund,
dich mir gegenüber so gekränkt auszusprechen.