Kolig, Anton: Brief an Richard von Schaukal. Nötsch im Gailtale, 1.11.1915
Diese Fülle muß ganz einfach tief gepackt
und gewonnen sein. Mit dem kommenden
Frieden fällt - so hoff' ich - eine reife
Frucht von dieser Arbeit, vielleicht endlich
mein Meisterwerk (oder sagt man Meisterstück?)
Mein Schwager der jüngere Wiegele (als Zeich=
ner sehr talentiert) war vierzehn Tage auf
Urlaub daheim, nachdem er seit Anfang des
Krieges im Felde stand. Daher unsere über=
stürzte Abreise aus Tirol. Die Mutter meiner
Frau ist schwer erkrankt, aber schon etwas besser.
Meine Tontla ist aus größter Lebensgefahr (Ertrinken)
errettet worden - sie war schon leblos. Der erste
große Schmerz, tötliche Angst um ein heißgeliebtes
Kind haben mich durchbebt; das geht nicht
wieder aus mir. Beschütze Sie, lieber Freund,
vor so gräßlichen Anfechtungen. Ihnen und
Ihrer Familie Gesundheit und Glück und
herzlichste Grüße
Ihr ergebener
Anton Kolig
5. Nov. 1915
Lieber Freund!
Nehmen Sie ungelenke Worte tiefster
Teilnahme an Ihrem großen Schmerz von Kati
und mir entgegen. Ich ahne wie sehr Sie Ihre
Schwester geliebt haben . . . .