Kralik, Richard: Brief an Hermann Bahr. Wien, 9.3.1917
Wien 9. 3. 17
Lieber, verehrter Freund!
In der kais. Bibliothek sitzend
und über den Kahlenberg hinsehend, fällt
mir ein, daß es an mir wäre, unsern draht=
losen Verkehr der Gemüter auch durch die Schrift
zu ergänzen. - Während Sie am 19. Febr.
Nachm. bei mir waren und mit meiner Frau
so viel Gutes sprachen, war ich zur Kaiserin beschie-
den, in einer andern Angelegenheit, für die ich
schon früher dem Kaiser ein Gutachten aus-
arbeiten mußte. Darauf hat mir Prinzessin
Hanna Liechtenstein einen Brief voll über-
schwenglicher Hoffnung geschrieben, in dem sie
vermeinte, ein solcher Empfang sei program=
matisch. Vom Theater hat sie nichts geschrieben.
Einige Wochen vorher, kam ein Mittelsmann
zu mir, der mir den Wunsch eines bekannten
Dichters aussprach, ich möchte ihn bei Gelegen-
heit als Intendanten empfehlen. Es gingen
damals allerdings Gerüchte um über die Er-
richtung einer Generalintendanz und