4.)
die Nemesis verordnet hatte, in der Einleitung des Heilungsprozesses
„Durch Leid zur Freud“ in keiner Weise zu stören!
"Na und . . . ?" fragte Felix.
„Und . . ? Na, siehst Du, Lixerl, daß die Gedichte so schön sind, das war ja;
was den mir auferlegten pathologischen Weg durch's Leid zur Freud noch verschärfte.
Die Wut, die mich bei jedem neuen Eßlöffel voll so schöner Lyrik aufs
neue übermannte - kann ich Dir gar nicht beschreiben, meine Wut, daß ich so
etwas so ignorirt hatte . . . “
„Das war ja aber bloße Einbildung von Dir“ . .
„Ganz richtig bemerkt und da setzte ja auch die Heilung ein. Nach und nach
begann der Stachel der Selbstanklage sich abzustumpfen, nicht mehr
zur Buße, nein mit der Freude des Pfadfinders las ich und sagt' ich
aus dem Gedächtniß mir Verse her wie die:
„Was auf der Erde atmet und fühlt:
Mit stumpfen Sinnen
In einem Wirrsal verschwommener Formen
Tastet so oft es durch Engen dahin -
Mich aber führtest Du, Schmerz,
Mich aber weihtest Du Schmerz, zum Glück.
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Freude, Schwester des Schmerzes Du!
Weinenden Auges jubl' ich:
Durch meine Adern rauscht's wie Gesang,
Wie vom Schöpfungsmorgen betaut . . .
Neu ist, was ich erblicke“
„Herrgott, das sind doch Verse von . . “
„Pst“! Still! Lixerl, keinen Namen . . „das leid't's Schnaufen nicht“. Ich bitte Dich um Eins . .
Morgen schicke ich Dir ein Büchel, das hat den einfachen Titel „Lebe!“ Der Titel hat sich bei mir
als ein „Steh auf und wandle“! und neben Goethe's „Stirb und werde“ und,
Ibsen's „lebe dh bekämpfe der Dämone dunkles Walten in Dir, sowie
Anzengrubers „Mir kann nix geschehn“ als der kategorische Imperativ
und „Wille zum Leben“ bewährt! Aus dem Büchel „Lebe“ und Anzengrubers Komödien
da lies'st Du mir in guter Stunde hie und da was vor!
„Ja, ja uns kann ja nix bessers geschehn!“
Franz Koppel=Ellfeld.
Dresden, im Mai 1914.
die Nemesis verordnet hatte, in der Einleitung des Heilungsprozesses
„Durch Leid zur Freud“ in keiner Weise zu stören!
"Na und . . . ?" fragte Felix.
„Und . . ? Na, siehst Du, Lixerl, daß die Gedichte so schön sind, das war ja;
was den mir auferlegten pathologischen Weg durch's Leid zur Freud noch verschärfte.
Die Wut, die mich bei jedem neuen Eßlöffel voll so schöner Lyrik aufs
neue übermannte - kann ich Dir gar nicht beschreiben, meine Wut, daß ich so
etwas so ignorirt hatte . . . “
„Das war ja aber bloße Einbildung von Dir“ . .
„Ganz richtig bemerkt und da setzte ja auch die Heilung ein. Nach und nach
begann der Stachel der Selbstanklage sich abzustumpfen, nicht mehr
zur Buße, nein mit der Freude des Pfadfinders las ich und sagt' ich
aus dem Gedächtniß mir Verse her wie die:
„Was auf der Erde atmet und fühlt:
Mit stumpfen Sinnen
In einem Wirrsal verschwommener Formen
Tastet so oft es durch Engen dahin -
Mich aber führtest Du, Schmerz,
Mich aber weihtest Du Schmerz, zum Glück.
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Freude, Schwester des Schmerzes Du!
Weinenden Auges jubl' ich:
Durch meine Adern rauscht's wie Gesang,
Wie vom Schöpfungsmorgen betaut . . .
Neu ist, was ich erblicke“
„Herrgott, das sind doch Verse von . . “
„Pst“! Still! Lixerl, keinen Namen . . „das leid't's Schnaufen nicht“. Ich bitte Dich um Eins . .
Morgen schicke ich Dir ein Büchel, das hat den einfachen Titel „Lebe!“ Der Titel hat sich bei mir
als ein „Steh auf und wandle“! und neben Goethe's „Stirb und werde“ und,
Ibsen's „lebe dh bekämpfe der Dämone dunkles Walten in Dir, sowie
Anzengrubers „Mir kann nix geschehn“ als der kategorische Imperativ
und „Wille zum Leben“ bewährt! Aus dem Büchel „Lebe“ und Anzengrubers Komödien
da lies'st Du mir in guter Stunde hie und da was vor!
„Ja, ja uns kann ja nix bessers geschehn!“
Franz Koppel=Ellfeld.
Dresden, im Mai 1914.