11. Okt. 1915
Lieber Freund !
Wir reisen in einigen Tagen
nach Kärnten - die Schwierigkeiten
sind groß - mein Herz ist bang - ich
verstehe nichts vom Kriege.
Aber mein Schwager Alfred weilt seit 5ten
für 14 Tage dort . . - er war seit August 1914
an der polnischen Front - und will uns
sehen, wir ihn auch. Dies beschleunigt
die ohnehin beabsichtigte gezwungen -
und erwünschte Heimreise.
Ich habe nach Wien kommen wollen
- Sie zu sehen habe ich Sehnsucht. Sie zu
hören! - ich liebe und verehre Sie.
Ich arbeitete . . . . Hoffnungen und
tiefe Niedergeschlagenheit schwanken hin und her.
Die Sorge um meine Kleinen quält mich.
Meine Frau arbeitet wie ein Lasttier -
ich vegetiere dumpf wie in einem
Gefängnisse . . . . arbeitslose unfruchtbare
Tage - schlaflose Nächte - dazwischen
Stunden höchster Glückseligkeit und
segenspendenden Schlafs. Was ist da wohl
zu tun? ― Ich möchte in Gegen=
überstellung „Georg und Sebastian”, ein
übrigens sehr altes Thema, malen, dazu fehlten nur
die Freiheit und Geld.
Lieber Freund !
Wir reisen in einigen Tagen
nach Kärnten - die Schwierigkeiten
sind groß - mein Herz ist bang - ich
verstehe nichts vom Kriege.
Aber mein Schwager Alfred weilt seit 5ten
für 14 Tage dort . . - er war seit August 1914
an der polnischen Front - und will uns
sehen, wir ihn auch. Dies beschleunigt
die ohnehin beabsichtigte gezwungen -
und erwünschte Heimreise.
Ich habe nach Wien kommen wollen
- Sie zu sehen habe ich Sehnsucht. Sie zu
hören! - ich liebe und verehre Sie.
Ich arbeitete . . . . Hoffnungen und
tiefe Niedergeschlagenheit schwanken hin und her.
Die Sorge um meine Kleinen quält mich.
Meine Frau arbeitet wie ein Lasttier -
ich vegetiere dumpf wie in einem
Gefängnisse . . . . arbeitslose unfruchtbare
Tage - schlaflose Nächte - dazwischen
Stunden höchster Glückseligkeit und
segenspendenden Schlafs. Was ist da wohl
zu tun? ― Ich möchte in Gegen=
überstellung „Georg und Sebastian”, ein
übrigens sehr altes Thema, malen, dazu fehlten nur
die Freiheit und Geld.