Korngold, Julius: Brief an Ernst Decsey. Wildalpen, 19.7.1922
| das schlechthin abschreckende
=|= und die Construktionen, Vergewaltigungen
durch den großen Strauß
⸺⸺
sich meines Wissens und über der seit der Première, von Beginn
an, unterlassene herkömmliche Ausnützung einer erfolgreichen
Novität, über | Absagen in der „Saison” =|= beklagt; z. b: die Josefslegende
ist seit der Spiel=Premiere dieses Jahres 20 mal, - u. d. h: seit Jänner vorigen Jahres - 21 mal
gegeben worden etc. etc) unterschlagen haben und von „Angriffen” sprechen.
Wenn nämlich dieser Mangels weiteren persönlichen Interesses von Weingartner zu Strauß übergelaufene Ehrenmann
die „Freunderlwirtschaft” Straußens angegriffen hatte und in seiner Musikzeitung
die Opernführung Weingartners der an der Staatsoper
gegenüber stellen, in einer Artikelserie die Kapellmeister
von der Staatsoper angreifen ließ - so war das Kritik;
aber die Kritik des Anderen ist - Angriff. Allein, lassen wir
diesen Unrat u gehen wir zu Erfreulicherem, Ihrem Besuche in
Wildalpen über. Depeschieren Sie Ihr Kommen; ein Schlafraum
wird sich trotz Überfüllung finden. Sie fahren von Graz über
Selzthal, so dass Sie in Selzthal vor 1.30 Nachmittags ankommen;
um 1.30 geht der Zug nach Groß-Reifling, wo Sie 2.53
also in 1½ Stunden anlangen. Ich rate Dienstag oder Freitag
zu fahren, da in der Regel das Auto unseres Hoteliers (ein
adaptirtes Lastauto!) nur an diesen Tagen Reisende in Gr. Reifling erwartet.
Josefine sieht sehr gut aus, ist der Liebling des Hotels; aber -
die Füßlein bleiben grausam. Die Sorgen gehen nicht aus ....
Ihr ergebener, herzlich grüßender
Dr Korngold