Kralik, Maia von: Brief an Emil Marriot. Wien, 30.3.1928
Wien, 30. März 1928
Liebe Marriot!
Als ich Sie heute Morgen
anrief, hatte ich in meiner Bestürzung vergessen,
dass ich Ihnen schon seit Sonntag immer unsere
Freude aussprechen will über die Auszeichnung, die
Sie erhalten haben. Ich tue es nun aus aufrichtig
erfreutem Herzen und mein Mann schließt sich
herzlich meinen Worten an. Mein Wille zu schreiben ist
immer viel besser als die Tatkraft der Ausführung.
So liegt auch noch Helene Migerkas letzter Brief vom
19. Februar unbeantwortet, fast natürlich, dass es so
ist, denn wir schrieben uns höchstens zwei oder drei-
mal im Jahr. Ich hätte ihr freilich noch gerne einmal
geschrieben, dass mich ihr treues Gedenken aufs neue ge-
rührt und gefreut hat. Unbegreiflich reimt die Tat auf
diesen Brief, der so sicher, so überlegen, fast von einem
eroberten, höheren Standpunkt aus die Welt betrachtet,
frühlingshafte Freude und Genügsamkeit atmet.
Seien Sie herzlich gegrüßt und beglückwünscht
Ihre getreue
Maia Kralik