Richter, Emilie: Brief an Max Richter. o.O., 24.7.1856
ich ihn doch nie recht in's Auge fassen ohne
daß sie mir dabei übergingen. Drum kann
ich auch jetzt nicht verheimlichen, daß es ein
bittrer Tropfen in dem süßesten Freuden=
Becher ist, und nochmals - das müssen Sie mir
verzeihen, und sich nicht daran kehren. Ich
werde immer glücklich sein, wo Ihr Auge
mir freundlich lächelt, mir wird niemals
Gesellschaft fehlen, wo ich Sie habe, wie
mir jeder Salon leer wäre, in dem Sie
fehlten; ich werde überall hin gehen, wo
Sie mich haben wollen - und immer, so lange
Sie mich ein Bischen lieb haben, zufrieden und
seelig sein. Die Thränen, die schon bei dem bloßen
Gedanken an Trennung fließen, werden Sie,
daran zweifle ich nicht, trocknen - und lassen
Sie sie immerhin fließen, das erleichtert. -
Von mir also ist nicht die Rede; aber ich
kann nicht umhin zu denken, daß Ihnen
dort der Wirkungskreis fehlen wird, den
Ihr Geist bedarf - Sie werden vielleicht dort
nicht erreichen, was Sie und ihre Freunde
und wir Alle gedacht - Sie werden, wie