Lafite, Carl: Brief an Franz Schalk. Wien, 30.6.1916
müsste, so zwar, dass die Saison am 18. Oktober mit
Bruckner beginnt und die Reger=Feier erst am 6. Dezember
darauffolgt. Dies hätte allerdings den Nachteil, dass wir
mit Reger etwas spät darankommen, aber den unleugbaren
Vorzug, dass für das Reger=Studium ein grösseres
spatium sich ergiebt und das leidige „Vorstudieren“ des
Orchesters wegfällt. Da an beiden fraglichen Abenden keinerlei
hervorragende Solisten in Betracht kommen, so wäre
diese Vertauschung relativ schmerzlos zu vollziehen. - Ich
harre Ihres votum; die Sache drängt (bei Knepler)
natürlich sehr.
Richard Fischer aus Würzburg schreibt mir, dass sein Tenor
bis C reiche (Deutsche Motette?); eine Glanzpartie
von ihm sei der 13. Psalm von Liszt. Die Kritiken,
die er einsandte, sind, wie Sie, hochverehrter Freund
wissen, recht günstige; aber Paul Schmeder - freilich
ein Tenor=Kollege - warnt eindringlich vor ihm als
dem Besitzer einer echt bundesbrüderlichen, sehr un=
vorteilhaften Quetschstimme. Quid faciamus? Bitte
um ein Wort.
Alles Erdenkliche Angenehme für den Sommer
wünscht Ihnen Ihr Sie herzlichst begrüssender
Carl Lafite