Kapralik, Eduard: Brief an Arthur Roessler. o.O., 9.5.1914
Werter Freund R-r!
Ihre eiligen Tippzeilen waren mir ein herzlicher Händedruck - das
war lieb von Ihnen. Ich lebe in einem die Wochen fressenden
Dusel, nur von der Erwartung beherrscht, dass meine dumme
„Bresthaftigkeit” zu Ende gehe, nur fähig, massenhaft
Lectüre zu schlucken, dazwischen unabweisliche Bureau-
sachen zu erledigen, zweimal wöchentlich den Arzt zu be-
suchen, der mir jedesmal weitere vierzehn Tage bis zur
Herstellung in Aussicht stellt. Jetzt ist die Besserung aller-
dings soweit, dass ich mich leidlich normal zu fühlen
beginne und hoffen darf, vielleicht im Laufe der nächsten
Woche wieder ins Bureau gehen zu können.
Dass die Pallas Athene auf dem Petschierstöckl nicht zustande
gekommen ist, tut mir leid, aber auch das Monogramm ist
gut, und ich habe eine Freude am Ganzen, ebenso am
ersten Abdruck an meine Adresse. Ihre Geleitworte
zu den „Beethovenhäusern” konnte ich wirklich als eine
Art Brief an mich lesen - ich war verblüfft über die
Gleichartigkeit, mit der wir Beide unabhängig voneinan-
der die „Seele der Vergangenheit” empfinden. Wir haben
da übrigens einen gemeinsamen Ahnherrn, den alten
Göthe, der in „Dichtung und Wahrheit”, 14. Buch, wörtlich
sagt: „Ein Gefühl aber, das bei mir gewaltig überhandnahm