Lehmann, Lilli: Brief an Richard Heller. Grunewald bei Berlin, 16.11.1928
Grunewald-Berlin
16-11-1928
Herbertstr. 20
Mein lieber, hochverehrter Herr Professor!
Ihnen u Ihrer liebenswürdigen Frau Gemahlin, sage
ich hiermit tausend Dank für die Überraschung Ihres
Glükwunschschreibens zu meinem 80. -
Wie oft wollte ich Sie ansprechen wenn ich Sie im
Mirabell gehen sah; aber immer waren Sie mit
Andern u. schienen mir beschäftigt; so unterließ
ichs. Sie wissen ja wie auch ich in Salzburg zu ar-
beiten habe, u daß die 2 Kursmonate mich täglich
von 7 Uhr früh bis 7 Uhr Abds in Anspruch nehmen,
bis auf 1½ Stunde Essens u Ruhepause. Daß
ich dann eile mich in die Berge zurückzuziehen
wird Sie auch nicht wundern. Das Autospektakel war in
diesem Jahr zum Verrücktwerden gräßlich + ich war
tatsächlich erledigt - als noch meiner Schwester
Kranksein dazutrat. Gastein hat mich dann 17
Tage ein bisl aufgerafft, aber viel zu kurz für das
alles was ich an Kraft verausgabt hatte;
ich fühle es heute noch. ./.