Leisching, Eduard: Brief an Unbekannt. o.O., 9.6.1926
[mit Bleistift und anderer Hand:] Eduard Leisching
9. VI. 26.
Lieber Herr Professor. Ich danke für das Schreiben Ihres
Büros vom 8. und die Beilagen. Ihren Aufsatz kannte ich
bereits aus dem „Abend” u. hatte das Gefühl daß der Zeitpunkt
seines Erscheinens taktisch nicht richtig war. Ich kann
selbstverständlich, wenn überhaupt, so gerade jetzt
die Übernahme der WW. in die Regie der Gemeinde nicht
öffentlich, bei Koch oder anderswo, anregen.
Zu den vielen unbegreiflichen und verhängnisvollen
Fehlern der WW gehört, daß sie trotz meiner und anderer
wohlwollender Freunde wiederholten Drängens sich nicht
dazu aufraffen konnte, rechtzeitig einen einwandfreien
Status und ein einwandfreies Wirtschaftsprogramm
aufzustellen und uns zur Überprüfung zu übergeben.
Frau Primavesi kann bestätigen daß ich sie schriftlich
und mündlich oft daran gemahnt habe. Sekt.Chef Vetter
hat auch durch Monate darauf gewartet u. wäre vielleicht
bereit gewesen, auf Grund eines solchen Programms mit
der Gemeinde zu reden, wobei ich ihn hätte unterstützen
können. So aber ist die WW planlos in das Ausgleichs-
verfahren hineingestolpert und man muss abwarten
was dabei herauskommt. Es ist ja auch verkündet worden
daß der Ausgleichskommissär die Aufgabe übernommen
hat, die künftige Führung der WW zu beeinflussen.
Diese Zeilen bitte ich als vertraulich zu betrachten.
Mit den besten Grüßen u. Wünschen Ihr E. Leisching.