Liebenwein, Maximilian: Brief an Richard von Schaukal. Wien, 1.5.1914
Wien ist mir um diese Zeit am allerzuwidersten,
obwohl es im Mai am schönsten ist; denn
jetzt muss ich immer an meine verlorene
Burgeinsamkeit denken; wie um meinen
Thurm die Kirschbäume im Brautgewand
stehen und wie des morgens rings in den
dichten Hecken die Vögel singen, und mich
keines Automobiles Gestank und Lärm erreichen
konnte! Selige Zeiten, die vorbei sind!
Vielleicht sehen wir uns noch vorher
auf dem „Huntelplatz.“
Mit den herzlichsten Grüßen an Dich
und Deine Kinder und einem Hand
kuss an Deine sehr verehrte Frau
verbleibe ich
Dein alter Kamerad
Maximilian Liebenwein.
P.S. Gestern sprach ich mit unserm alten Obersten
G. d. K. Freund von Arlhausen.