Liebenwein, Maximilian: Brief an Richard von Schaukal. Wien, 31.10.1914
Ich will Dir schon seit ein paar Tagen schreiben. Ich bin nämlich sehr aergerlich
über Herrn Georg Müller, der uns belogen hat. Vor ein paar Tagen bekam ich ein
Schreiben von der bayrischen Versicherungsbank, aus dem hervorgeht, dass Herr G Müller
meine Unfallsversicherung nicht bezahlt hat, sondern wahrscheinlich nur die
Lebensversicherung, doch habe ich auch darüber noch kein Dokument in Händen. Ich
habe nun sofort durch Postanweisung den Betrag (56.25 + Mahngebühr) der Ver-
sicherungspraemie bezahlt, und mich entschuldigt. Dem Müller bitte ich Dich sein
unqualifizierbares Benehmen vorzuhalten. Wenn er nicht wollte, so war er
verpflichtet zu sagen: „ich thue Ihnen diese Gefälligkeit nicht.“ Mich einfach hineintappen
lassen und Dir mittheilen, er hätte den Betrag bezahlt, ist unerhört! Bitte frage
den Kerl, ob er sich eine solche Rüpelhaftigkeit auch gegen ein Mitglied der
Münchener Sezession erlauben würde? Ich glaube nicht. Ich glaube bloß wir
Bundesgenossen haben das Privilegium; Er soll sofort die Abrechnung schicken,
und die Quittung über die andre Versicherungsprämie, und hat den Rest des Honorars