Liebenwein, Maximilian: Brief an Richard von Schaukal. Wien, 2.12.1914
Ich will Dich mit der Geschichte nicht gerne weiter belästigen, und bitte
Dich, mir vielleicht die Adresse Georg Müllers mitzutheilen, damit ich die
Sache mit dem Kerl selber austragen kann. -
Soeben dringt die erfreuliche Nachricht zu mir, das Stadt und Festung
Belgerad gefallen ist.
Vorgestern war ich draußen bei unserm alten Regiment in Breitensee
und sah dort zurückgekehrte Mannschaften und Pferde. Die einen sehen
recht gut aus, sind voll Freude und Zuversicht, die andern sind mit
Pelz überzogene Gerippe.
Darf ich Dich im Auftrage unseres alten Kameraden Oberstleutnant
von Pichler anpumpen, dass Du etwas für die Weihnachtsbescherung unsrer
Dragoner im Felde beisteuerst? Erwünscht sind Fressalien (Salami,
Speck, Schokolade, Würfelzucker, Thee) und Tabak oder Zigarren und
Zigaretten. Die Sachen sollen bis 7.ten d. M. in der Breitenseer-
Reiterkaserne sein. Du kannst sie aber auch zu mir schicken,
und ich befördere sie dann mit den meinen weiter.
Unser Regiment ficht jetzt unter Hindenburg und hat sich
neulich bei Wloczlawek sehr ausgezeichnet. Der Oberst Baron