Greipel!
Wien 11/II 1931.
Werte Frau Olga! Für Samstag 14. habe ich mir bereits Sitze zur
„Eysler Vortrag” Première von Skurawy im großen Uraniasaale be=
stellt, da ich mich natürlich sehr dafür interessire, welche Lieder + Tänze hie-
für gewählt wurden + meine getreuen Helfer vom Ziehrer abende am 13/12
1930 Anny Dampf + Heinz Ranek dabei ausgiebig beschäftigt sind!
Da kam mir in den Sinn, das Kritiken-Sammelblatt durchzulesen, auf welchem
die Wiener Kritik, darunter auch der Adaxel, mit besonderer Wärme + Herzlich=
keit meine Bestrebungen zur Erhaltung + Förderung unserer schönen Wiener
Musik anerkannte + förderte. Trotzdem ich in meinem eben erwähntem Streben
nicht nachließ + den mir vorgeschriebenen Weg consequent weiter verfolge, ist
die Kritik sparsamer mit ihrem Lob + kühler geworden; schade, weil das Publi=
kum in seiner Begeisterung für diese lieben Weisen meine Abende bis zum
letzten Plätzchen füllt + mir bei jeder Gelegenheit zu erkennen gibt, wie es
mit meinen Programmen + der Art, dieselben vornehm + mätzchenfrei zu in=
terpretiren, einverstanden ist. Am deutlichsten tritt das in der Provinz zu Tage,
wie es am 9/II wieder in Wels der Fall war, wo ich nebiges Programm mit Auers
brachte; sie mußten 7 da capos leisten, ich noch 4 Zugaben als Claviersolist.
Dabei der 500 Personen fassende Saal gesteckt voll + überaus animirt!
Das soll uns ein Ansporn sein, auch bei meinem nächsten „Millöcker” Abend im Ei-
senbahnclub Ende März 31 abgerundete + cultivirte Leistungen zu bieten. -
Ich bedauerte, dass über den Schriftsteller Verband Abend vom 5/I 31 so wenig
Kritiken erschienen sind. Olga Kalenskys noble Singart, die meinen 6 Liede[r]n so
schön zu Gute kam, fand im Publikum allgemein aufrichtige Anerkennung - die
Kritik verhielt sich aber mehr, als reservirt. Außer erwähnten Erfolge in Wels fand
ich mit Strauss Vorträgen beim Abende der d. ö. Schriftsteller Genossenschaft sehr viel Bei-
fall (7/II Eisenbahnclubsaal), ebenso beim rout auf der deutschen Botschaft am 7/II, wo=
bei Ranek meine „Walzerdämmerung“ wieder einmal zu Ehren brachte! Im letzten
Adaxel freute ich mich, KE. Kleinert „Wiener Sprache” Essay zu lesen! Am 28/II
bin ich bei einer Soirée im Hause Hofraths Fleissner geladen, wo ich musikalisch
reichlich zu thun haben werde, daher nicht zur Gillybesprechung kommen kann. -
Am 21/II spiele ich Strauss im Ratiborsaale, am 22/II im Atelier der Malerin Maria Bene.
In Folge Ihrer eben eingelangten Einladung zu Frau Gina + Lumpi sage ich Eysler ab und
komme mit meinem Sohne ins Reithleheim. Sophie ist nicht in Wien. Herzliche Grüße Ihr Max Lilienau
Wien 11/II 1931.
Werte Frau Olga! Für Samstag 14. habe ich mir bereits Sitze zur
„Eysler Vortrag” Première von Skurawy im großen Uraniasaale be=
stellt, da ich mich natürlich sehr dafür interessire, welche Lieder + Tänze hie-
für gewählt wurden + meine getreuen Helfer vom Ziehrer abende am 13/12
1930 Anny Dampf + Heinz Ranek dabei ausgiebig beschäftigt sind!
Da kam mir in den Sinn, das Kritiken-Sammelblatt durchzulesen, auf welchem
die Wiener Kritik, darunter auch der Adaxel, mit besonderer Wärme + Herzlich=
keit meine Bestrebungen zur Erhaltung + Förderung unserer schönen Wiener
Musik anerkannte + förderte. Trotzdem ich in meinem eben erwähntem Streben
nicht nachließ + den mir vorgeschriebenen Weg consequent weiter verfolge, ist
die Kritik sparsamer mit ihrem Lob + kühler geworden; schade, weil das Publi=
kum in seiner Begeisterung für diese lieben Weisen meine Abende bis zum
letzten Plätzchen füllt + mir bei jeder Gelegenheit zu erkennen gibt, wie es
mit meinen Programmen + der Art, dieselben vornehm + mätzchenfrei zu in=
terpretiren, einverstanden ist. Am deutlichsten tritt das in der Provinz zu Tage,
wie es am 9/II wieder in Wels der Fall war, wo ich nebiges Programm mit Auers
brachte; sie mußten 7 da capos leisten, ich noch 4 Zugaben als Claviersolist.
Dabei der 500 Personen fassende Saal gesteckt voll + überaus animirt!
Das soll uns ein Ansporn sein, auch bei meinem nächsten „Millöcker” Abend im Ei-
senbahnclub Ende März 31 abgerundete + cultivirte Leistungen zu bieten. -
Ich bedauerte, dass über den Schriftsteller Verband Abend vom 5/I 31 so wenig
Kritiken erschienen sind. Olga Kalenskys noble Singart, die meinen 6 Liede[r]n so
schön zu Gute kam, fand im Publikum allgemein aufrichtige Anerkennung - die
Kritik verhielt sich aber mehr, als reservirt. Außer erwähnten Erfolge in Wels fand
ich mit Strauss Vorträgen beim Abende der d. ö. Schriftsteller Genossenschaft sehr viel Bei-
fall (7/II Eisenbahnclubsaal), ebenso beim rout auf der deutschen Botschaft am 7/II, wo=
bei Ranek meine „Walzerdämmerung“ wieder einmal zu Ehren brachte! Im letzten
Adaxel freute ich mich, KE. Kleinert „Wiener Sprache” Essay zu lesen! Am 28/II
bin ich bei einer Soirée im Hause Hofraths Fleissner geladen, wo ich musikalisch
reichlich zu thun haben werde, daher nicht zur Gillybesprechung kommen kann. -
Am 21/II spiele ich Strauss im Ratiborsaale, am 22/II im Atelier der Malerin Maria Bene.
In Folge Ihrer eben eingelangten Einladung zu Frau Gina + Lumpi sage ich Eysler ab und
komme mit meinem Sohne ins Reithleheim. Sophie ist nicht in Wien. Herzliche Grüße Ihr Max Lilienau