Liebenwein, Maximilian: Brief an Richard von Schaukal. Wien, 11.3.1915
jeher den Sakramenten abhold; Und
die Kunst ist auch ein Sakrament,
ein äußeres sichtbares Zeichen einer
unsichtbaren Gnade!
Alle die diese Gnade nicht hatten, und
darum die Presse zu Hilfe riefen,
haben eine begreifliche Angst vor
jedem Deutschen Geist. Ich hoffe
aber, dass nach dem Krieg das Volk
ein Machtwort spricht, und sich
nicht mehr das brutale Geschmiere
der Unfähigen als Kunst aufschwätzen
lassen wird. - Vielen Dank
noch für Dein Buch. Meiner Frau
gehts in den letzten Tagen nicht gar
gut. Sie hustet stark und ist matt
wie eine Fliege im Herbst. Doch hoffe
ich dass sie es bald überwindet.
Handkuss an die Deine, herzl. Grüße Dir
und den Kindern von Deinem alten
Maximilian Liebenwein.